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Überzeugend: vier Einheiten und ein Konzept

Nehlsen entsorgt Container der havarierten MSC Flaminia – darunter auch beschädigte Container mit Gefahrgut und Gefahrstoffen

Über das havarierte Frachtschiff MSC Flaminia, das nach wochenlanger Irrfahrt im Atlantik schließlich im Wilhelmshavener JadeWeserPort festmachte, wurde viel berichtet. Fast täglich gab es neue Meldungen darüber, was mit dem ›Unglücksfrachter‹ der Reederei NSB (Niederelbe Schifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG) passieren soll.

Am 20. August 2012 wurde das Havariekommando mit den Planungen für die Rückkehr der MSC Flaminia in deutsche Gewässer beauftragt. Mit der Entscheidung, den Containerfrachter nach Wilhelmshaven zum JadeWeserPort (JWP) schleppen zu lassen, übernahm der Flaggenstaat Deutschland die Verantwortung für die Abwehr von Gefahren, die von der MSC Flaminia ausgehen können. Bis zum 9. September 2012, als die Flaminia in Wilhelmshaven festmachte, galt es, einen geeigneten Notliegeplatz festzulegen und die Reise des Schleppverbandes mit der MSC Flaminia so zu gestalten, dass Menschen und Umwelt nicht gefährdet werden. Nun ging es darum, die fast 3.000 Container – viele davon sind beschädigt – sicher zu bergen und über deren Inhalt zu entscheiden.

»Die Berichterstattung über die Flaminia haben wir von Anfang an verfolgt und die ersten Gespräche mit der Reederei NSB bereits im August geführt«, sagt Wolfgang Sydow von der RNO, Reinigungs- und Entsorgungsservice Nord, und Gesamtprojektleiter vor Ort im JWP. »Wir bildeten eine Arbeitsgruppe aus vier Einheiten, bestehend aus der RNO, der AWG Wilhelmshaven, der Niederlassung Nord-West und Nehlsen-Plump. Es folgten zahlreiche Gespräche und Konzepterstellungen, die wir gemeinsam auf den Weg brachten.«

Am 26. September wurden in Wilhelmshaven die Verträge zwischen der Reederei NSB, dem JadeWeserPort, Eurogate und Nehlsen als Entsorgungsfirma geschlossen, die die weitere Vorgehensweise mit der MSC Flaminia und der Ladung regelten. »Das Konzept überzeugte nicht nur die NSB und das Havariekommando, sondern auch das Gewerbeaufsichtsamt und die NGS, die Niedersächsische Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfallstoffen«, weiß Ulf Rehme, Vertriebsleiter bei der Niederlassung Nehlsen-Plump zu berichten.

Zwei Tage später begann Nehlsen mit dem Entladen der Container, wobei die Aufgaben geteilt wurden. »Wir sind zuständig für die Container an Land, denn hier beginnt der Reinigungs- und Entsorgungsprozess. Eurogate ist für das Hantieren der Container verantwortlich – das heißt, die Container per Kran von Bord zu heben und an Land zu setzen. Außerdem unterstützt uns noch die Lloyd Werft Bremerhaven AG bei allen Stahl- und Brennarbeiten und liefert passende Stahlwannen«, erklärt Andreas Schütte, Geschäftsführer der RNO.

Während die intakten Container auf konventionelle Art und Weise entladen werden, holt Eurogate die beschädigten Container in riesigen Stahlwannen von Bord des Frachters. Durch die Hitze waren einige Container miteinander verschmolzen, so dass sie wie an einer Kette aneinanderhingen. Sie wurden mit einer Schrottschere aufgeschnitten. Gereinigt werden die Container, die mit Rauch, Ruß oder Löschwasser kontaminiert sind, in einer überdimensionalen Waschstraße direkt vor dem Schiff. »Hier können unsere Einsatzkräfte vier Container gleichzeitig reinigen«, so Schütte. Die Container werden mit der vorgeschriebenen Schutzausrüstung nach TRGS 520 gereinigt. »Wenn wir in die Container reingehen müssen, geschieht das außenluftunabhängig, also mit Sauerstoffflasche«, erläutert Schütte. »Brisant ist hierbei, dass wir alle nicht wissen, wie die Materialien auf den Brand und das Löschwasser reagiert haben. Was ist daraus geworden? Das ist das Entscheidende«, so Ulf Rehme. Aber der Umgang mit gefährlichen Abfällen gehöre zur täglichen Arbeit von Nehlsen-Plump. »Für uns ist das kein Hexenwerk. Es ist zwar jedes Mal eine Überraschung, was sich im Container befindet und in welchem Zustand er ist, aber wir können damit umgehen und halten die Entsorgungswege ein. Wenn das Produkt noch verwertbar ist, verwerten wir es. Falls es nicht mehr verwertbar ist, wird es fachgerecht entsorgt. Bei diesem Auftrag nutzen wir das Know-how, das wir uns jahrelang erarbeitet haben«, so Rehme. Von der Arbeit vor Ort berichtet Wolfgang Sydow: »Wenn wir einen Container öffnen, läuft jedes Mal ein Entscheidungsprozess ab. Was ist das für ein Stoff und ist der Inhalt löschwasserbelastet? Es ist schon passiert, dass der Inhalt entsorgt werden musste, aber der Container noch intakt war. Dann müssen wir alles aus- und umpacken und den Container von innen säubern. Der intakte Container kann wieder genutzt werden. Wir befinden uns zurzeit mitten im Prozess – etwa die Hälfte der Container ist mittlerweile von Bord. « Auf Wunsch der Reederei NSB arbeiten zwölf Nehlsen-Mitarbeiter im Zweischichtsystem. Rund dreißig Leute aus der Nehlsen-Gruppe sind permanent vor Ort.

»Man kann sagen, dass wir einen kompletten Betriebsstandort dort eingerichtet haben – eine Art Containerdorf«, meint Schütte. Bis der letzte Container von Bord der MCS Flaminia geholt und ordnungsgemäß entsorgt wurde, wird es noch dauern.

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